Saisonvorschau Saison 2018/19 – Teil 2

Fast wie 2. Liga – was bringt die neue Saison für Haching? Am Sonntag startet die Spielvereinigung in die neue Saison mit einem Auswärtsspiel beim KFC Uerdingen. Der zweite Teil unserer Saisonvorschau beleuchtet die „Baustellen“ in und um den Sportpark und gibt einen Ausblick auf die kommende Spielzeit.

Die Osttribüne aktuell – Bildrechte: Martin Becker Münchner Merkur


Auferstanden aus Ruinen – wie geht’s mit dem Sportpark weiter?

Nur zwei Mal haben seit dem denkwürdigen DFB-Pokal-Spiel gegen Bayer Leverkusen noch Besucher auf der Osttribüne Platz genommen: Im August 2016 waren beim Pokal-Kracher gegen Mainz zwei Drittel der Gegengerade geöffnet. Im Relegationsspiel gegen Elversberg im Mai 2017 war die Südhälfte der Tribüne offen. Seitdem, Profifußball hin oder her, verbreitet das einstige Prunkstück des Bundesliga-Abenteuers Kühlschrank-Atmosphäre. Seit Herbst 2017 immerhin von ein paar Werbebannern bedeckt.
Das sähen wohl alle Haching-Fans gerne anders. Nicht, weil das Stadion mit seinen aktuell 10.500 Plätzen für das Gros der Spiele zu klein wäre. Aber weil die Tristesse im Fernsehen wie live vor Ort bedrückend wirkt. Und weil ein richtiges Stadion eben vier Seiten hat.
Die erlösende Nachricht kam am 18. Juli: Der Unterhachinger Gemeinderat gab grünes Licht, der Verein darf die Tribüne in Eigenregie sanieren. Schon eine knappe Woche später trudelten Fotos von Bauarbeiten an der Tribüne ein. Der Fahrplan sieht laut Vizepräsident Peter Wagstyl so aus: Gegen Eintracht Braunschweig am 1. September soll es einen ersten Testlauf geben, gegen 1860 dreieinhalb Wochen später ist dann eine volle Hütte möglich. Gut 15.000 Zuschauer im Sportpark? Es wäre das erste ausverkaufte Haus seit mehr als zehn Jahren.

Auch rund um das Stadion herum gibt es einige Verbesserungen: Ein – nicht ganz billiger – neuer Hybrid-Rasen soll auch im Winter das passende Geläuf für gepflegten Kurzpass-Fußball bieten. Vielleicht ja das Wundermittel gegen die ewige Hachinger Punkteflaute in der kalten Jahreszeit. Und die liebe alte Anzeigetafel aus den frühen 90er-Jahren ist auch schon abgebaut. Sie soll einer LED-Wand weichen, über die auch Werbung flimmern kann. Das mag man aus Gründen der Nostalgie mit einem weinenden Auge sehen. Aber es ist, kühl betrachtet, wohl einfach der Schritt in die Gegenwart des Profi-Fußballs. Und vielleicht für ein paar zusätzliche Euro an Einnahmen gut. Und viel zu lange sind in Haching schließlich die Uhren stillgestanden. Da ist eine digitale Zeitanzeige schon mal ein schönes Symbol für den Willen zur Tat.

Embed from Getty Images

Vorfreude oder gemischte Gefühle – wie wird die Saison anlaufen?

Viel ist möglich. Die Liga ist stark. Die Baustellen im Verein zahlreich. Aber trotzdem gibt es viele gute Gründe für Vorfreude auf die neue Saison. Allen voran sportliche. Was das neue Team mit verstärkter Innenverteidigung und vor allem zusätzlicher kreativer Power von Hufnagel, Widemann und Co. auf den Platz zaubern kann? Es wird spannend zu sehen.
Die ersten Spieltage haben es jedoch gleich in sich: Beim hochklassig aufgestellten Uerdingen kann man verlieren, Matches gegen Aalen waren selten Selbstläufer (17/18 setzte es zwei Niederlagen), ein Auswärtsspiel beim Aufsteiger Cottbus ist eine unangenehme Sache. Und gegen Rostock und Wehen sind Punktverluste auch durchaus keine Schande. So geht es munter weiter. Da heißt es gleich vorab: Im Falle des Falles Ruhe bewahren. Denn selbst bei einem Fehlstart – der Kader hat einen Turnaround mit seiner fußballerischen Qualität immer im Kreuz. Und bei einem Blitzstart gegen die starken Startgegner läge die obere Tabellenhälfte fast schon zur Eroberung bereit. Claus Schromm gab auf Anfrage von dfb.de den Klassenerhalt als Pflicht und die Bestätigung der Vorjahresplatzierung neun als Ziel aus. Vermutlich eine realistische Einschätzung. Mit einer Saison im gesicherten bis oberen Mittelfeld dürften alle mehr als zufrieden sein.

Wichtig sind aber natürlich auch die Fans. Ein nicht ganz leerer und gut gelaunter Sportpark ist wundersamer Weise immer ein Ass im Ärmel – selbst wenn auch diese Saison kein Hexenkessel à la Betzenberg oder Stadion der Freundschaft aus ihm werden wird. Dafür lockt die berühmte Hachinger familiäre Gemütlichkeit und der wiedereröffnete Biergarten. Und bald auch wieder Stadionatmosphäre von allen vier Seiten. All das für vergleichsweise kleines Geld: Ein Stehplatz-Dauerkarte der SpVgg kostet gerade mal gut die Hälfte ihres Pendants aus dem Grünwalder Stadion. Tagestickets sind immer verfügbar und gepflegter Fußball ist fast garantiert – womöglich spricht sich das ja bei gutem Saisonverlauf so langsam auch wieder stärker in der Landeshauptstadt herum.

So oder so: Auf nach Haching. Die Argumente waren selten so gut: Eigentlich hat die 3. Liga 18/19 mindestens so viele große Namen zu bieten wie die 2. Bundesliga. Matches gegen Lautern, Braunschweig, den KSC, 1860, Cottbus, Uerdingen klingen nicht nur nach viel. Sie könnten auch fußballerische Leckerbissen werden. Denn Defensivbeton anrühren und auf weite Bälle setzen muss Haching mal wieder nicht. Eher darf auf Zauberpässe von Bigalke, Porath, Müller, Hufnagel und Co. gehofft werden.
Seid dabei. Wir sehen uns im Sportpark!