Saisonvorschau Saison 2018/19 – Teil 1

Ende Juli bricht eine neue Drittliga-Saison am Sportpark an – die neunte! Das alleine ist eigentlich schon Grund zur Freude. Aber natürlich bietet auch die neue Spielzeit so ihre Fragezeichen: Aufstiegsträume – geht das, mit dem neuen Kader? Wie stark ist die neue Liga mit 1860, Lautern und Co.? Der erste Teil unserer Saisonvorschau.

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Junge, Alte, Neue und neue Alte – was kann der Kader?

Eigentlich… Ja, eigentlich fühlte sich der Haching-Fan zum Ende der Saison 2017/18 so wohl und sicher wie selten mit seiner Mannschaft: Das Grundgerüst seit zwei bis drei Jahren gehalten – wann gab’s das schon mal am Sportpark? Und dann kündigten Manni Schwabl und Co. auch noch gezielte Verstärkungen an.

Zwischenzeitlich knirschte es dann doch im Gebälk: Anfang Juni gesellten sich zu den bereits bekannten Abgängen Maxi Nicu, Alex Piller, Tim Schels und Vitalij Lux auch noch Keeper Korbi Müller und „Sheriff“ Uli Taffertshofer. Der Verbleib von Finn Porath war auch noch unklar. Und bis auf Chemnitz‘ Abwehr-Bank und Kapitän Marc Endres herrschte lange Flaute in Sachen Neuzugängen.

Am Ende hielt das Präsidium dann doch Wort. Zwar nicht in Form der einige Zeit gehandelten „großen Namen“ wie den Zweitligaprofis Stefan Lex und Quirin Moll, die schließlich lieber Richtung Giesing wechselten. Aber auf eine gewissermaßen ur-hachingerische Art und Weise: Mit Lucas Hufnagel, Markus Schwabl und Dominik Widemann kehren gleich drei – teils sogar im buchstäblichen Sinne – verlorene Söhne zurück in die Vorstadt. Mit Ersatzkeeper Michael Gurski (von 2001 bis 2003 in Haching) könnte man sogar vier Rückkehrer zählen.

Das Konzept hat seinen Charme. Und seine Gefahren. Einerseits wissen alle vier, was sie an Haching haben. Alle haben im Sportpark schon gute Leistungen gezeigt. Und vor allem Hufnagel, Schwabl und Widemann haben die vergangenen drei Jahre in höheren (oder fremden) Ligen Erfahrung gesammelt, zumindest aber auf Top-Niveau trainiert. Andererseits haben alle Rückkehrer zuletzt nicht gerade viel Spielpraxis gesammelt. Und die Transfers von Widemann und Schwabl haben Vorgeschichte – hier ein im Zorn geplatzter Wechsel im Winter, dort die ewige Präsidentensohn-Debatte. Bei Widemann machte wohl erst ein „Wechsel im Umfeld“ die Rückkehr möglich, wie auf der Homepage der SpVgg nachzulesen war.

Claus Schromm ist jedenfalls optimistisch: „Man bekommt einen Spieler immer besser zurück, als man ihn abgegeben hat“, sagte er dem Regionalsport-Portal „fupa“. Und Wenn Schromm und Co. die Neuzugänge gut ins Team integrieren und die früheren Reservisten aus höheren Ligen ihre Spielpausen in Energie umsetzen, dann kann einiges gehen.

Nur als kleines Gedanken-Spielchen: Mittlerweile stehen wieder sechs Spieler aus der Abstiegssaison 14/15 im Kader: Sascha Bigalke, Seppi Welzmüller, Thomas Hagn, Widemann, Schwabl und Hufnagel. Alle sechs sollten – nicht nur laut Schromm – an Erfahrung und Klasse gewonnen haben. Und der Kader drumherum ist wesentlich stärker geworden. Routiniers mit höherklassiger Erfahrung wie Stephan Hain, Dominik Stahl, Jim-Patrik Müller und Lukas Königshofer waren 2014/15 Mangelware. Ebenso gestandene Drittliga-Recken wie Max Dombrowka und Marc Endres. Und an echten Top-Talenten mangelt es mit Christoph Greger, Orestis, Finn Porath und mit Abstrichen Luca Marseiler, Maxi Krauß und vielleicht sogar schon Hyeungsok Hong auch diese Saison nicht.

Auch der Vergleich mit der Vorsaison kann sich sehen lassen. Auf der Torwartposition sollte zwischen den Ex-Konkurrenten Müller und Königshofer kein Qualitätsverlust festzustellen sein. Der durchaus schmerzliche Abgang von Uli Taffertshofer sollte vom weiter lernenden Orestis und dem Duo Hufnagel und Schwabl zu kompensieren sein – vielleicht sogar mit zusätzlicher Offensivkraft. Und alles weitere ist Dreingabe. Mit den flinken und trickreichen Widemann und Hufnagel dürfte es mehr Varianten in der Offensive geben, mit Schwabl neue Konkurrenz auf der Rechtsverteidiger-Position. Und Endres könnte die Innenverteidigung spürbar stabilisieren, wenn alles gutgeht. Dann gibt’s da auch noch interne Rückkehrer wie Tom Hagn – der bis zu seiner Verletzung offensiv ganz schön wirbelte und jetzt wieder angreifen kann. Ein weiterer fußballerischer Schritt nach vorne müsste eigentlich drin sein.

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Liest sich besser als Liga zwei – was kann die Konkurrenz?

Also alle Zeichen auf Angriff? Ganz so einfach wird’s nicht. Abgesehen davon, dass die Rückrunde dem Trainerteam und dem Anhang durchaus Stoff zum Nachdenken geliefert hat (etwa was die Angewiesenheit auf das Duo Hain und Bigalke betrifft) – die 3. Liga ist nicht mehr die alte.

Nach oben verabschiedet haben sich mit dem 1.FC Magdeburg und dem SC Paderborn zwar zwei echte Dominatoren. Aber dafür kommen mit dem 1.FC Kaiserslautern und Eintracht Braunschweig zwei wuchtige Kaliber aus Liga zwei ins Unterhaus des Profifußballs. Beide dürften mit Macht auf den Wiederaufstieg setzen. Braunschweig, weil der Abstieg als eine Art Betriebsunfall gewertet wird. Lautern, weil das teure Stadion den Verein finanziell zu erdrücken droht und ein weiteres Jahr in Liga 3 das Aus bedeuten könnte.

Hinzu kommt mit dem KSC ein weiterer dicker Fisch, der nur knapp in der Relegation gescheitert ist und weiter große Ansprüche hegt. Und wie stark die Qualität steigen könnte, zeigt sich mit dem Blick nach unten: Werder II, das bankrotte und sportlich über weite Strecken desolate RW Erfurt und der ebenfalls insolvente Chemnitzer FC haben sich verabschiedet. Neu dabei sind drei (!) Traditionsclubs mit Ambitionen: Der mit Investorengeld gestählte KFC Uerdingen, der Münchner Nachbar aus Giesing und Energie Cottbus. Zumindest Uerdingen und 1860 schielen erklärtermaßen direkt Richtung Tabellenspitze, Erstere dürften mit großen Namen wie Maxi Beister und Kevin Großkreutz sogar als Mit-Favorit gelten. Zumindest sollten alle drei Clubs aber nichts mit dem Abstieg zu tun haben.

Schließlich gilt es noch zu bedenken, dass Teams wie Preußen Münster nicht zwingend nochmal eine gebrauchte Hinrunde erwischen. Und dann wird es schon sehr offensichtlich sehr eng im Teilnehmerfeld. Als direkte Abstiegskandidaten gelten plötzlich durchaus solide Mannschaften wie die Sportfreunde Lotte, der FSV Zwickau, Sonnenhof Großaspach und der strauchelnde Traditionsclub VfL Osnabrück. Und gar nicht ausgeschlossen scheint es, dass auch das Vorjahres-Mittelfeld um Meppen, Jena  oder eben auch Haching in den Strudel rutschen könnte, wenn die ersten paar Spieltage nicht gut laufen.

Allerdings gibt es da aus Hachinger Sicht auch einen anderen interessanten Blickwinkel: transfermarkt.de schreibt unseren Vorstädtern den nach Marktwerten siebtwertvollsten Kader der Liga zu. Das ist natürlich Rechenspielerei. Zeigt aber auch: Verstecken muss sich unsere Elf nicht.

Unter Haching in diesem Ranking platziert übrigens: Der TSV 1860. Der ohnehin erstmal in Liga 3 ankommen muss. Bei aller blauen Euphorie: So richtig Angst verbreiten kann beispielsweise die beinahe unveränderte Abwehrbesetzung aus der Regionalligasaison nicht – gegen die Viererkette um Mauersberger und Weber hatte auch schon Regionalligateams so ihre Großchancen. Auch bei Eintracht Braunschweig sorgt sich der Anhang in den Foren noch um die offensive Durchschlagskraft. Mutlos muss die SpVgg gegen die großen Namen also keinesfalls zu Werke gehen.