Hachinger Legenden: Thomas Niklaus

In unserer Reihe Hachinger Legenden stellen wir heute Thomas Niklaus vor. Von 1986 bis 1992 lief Niklaus in sieben Spielzeiten für die Spielvereinigung auf. Niklaus gehörte unter anderem den Hachinger Aufstiegshelden von 1989 an, der Mannschaft, die mit der Spielvereinigung erstmals den Sprung in die 2. Bundesliga schaffte. Weit über 200 Pflichtspiele bestritt der in Nürnberg geborene Mittelfeldspieler für Unterhaching. Wir haben mit Niklaus über seine Karriere und der Zeit nach dem Fußball gesprochen.

Thomas Niklaus im Spiel gegen den FC St. Pauli – Bildrechte Thomas Niklaus

Zeit beim 1. FC Nürnberg

Seine Karriere beginnt beim Post SV Nürnberg, bei dem sein Vater Jahrzehnte als Funktionär arbeitete und heute der Sohn seines Bruders spielt. Nach Station beim TSV Altenfurt wechselt er zur Saison 1984/85 zu den Amateuren des 1. FC Nürnberg, die in der damals drittklassigen Bayernliga spielen. In der Reservemannschaft des Zweitligisten läuft es zunächst gut für Niklaus. Er wird Stammspieler, trainiert immer wieder bei den Profis und wird dort auch in Freundschaftsspielen eingesetzt. Als es im Oktober 1984 zum Spielerstreik in der ersten Mannschaft kommt (sechs Spieler werden daraufhin entlassen), hat Niklaus Pech. Um spielberechtigt für die erste Mannschaft zu sein, hätte er bereits ein Jahr im Verein sein müssen. Spieler wie Störzenhofecker, Brunner oder auch Stefan Reuter werden an ihm vorbei in die erste Mannschaft hochgezogen. Die verjüngte Mannschaft schafft den Wiederaufstieg in die Bundesliga, was es für Niklaus nicht einfacher macht.

Schon früh baut sich Niklaus ein berufliches Standbein neben dem Fußball auf. Er arbeitet als freier Redakteur beim Kicker Sportmagazin in Nürnberg. Dort kommt auch der erste Kontakt mit Klaus Kirschner zustande. Die beiden redeten über die für Niklaus unbefriedigende Situation bei den Amateuren. Er steht zwar auch in der zweiten Spielzeit, wie im Vorjahr, bei fast allen Spielen auf dem Platz, der Sprung zu den Profis will aber nicht gelingen. Der mit vielen Beziehungen ausgestattete Kirschner bietet Niklaus an sich in München umzuhören. Zuerst meldet sich Bayernligist Wacker München bei Niklaus, die Anfrage zerschlägt sich aber, dann kommt aber Unterhaching auf den Franken zu. Nachdem er sich mit dem damaligen Manager Norbert Hartman einig ist, unterschreibt er nach zwei Jahren beim FCN bei den Rot-Blauen.

Ich unterschrieb meinen ersten Vertrag in Unterhaching auf dem Weg in den Urlaub 

Wechsel zur Spielvereinigung Unterhaching

In der ersten Saison bei der Spielvereinigung 1986/87 fehlt Niklaus nur einmal. Der Verein läuft auf Platz vier ein und trennt sich nach über einem Jahrzehnt von Erfolgstrainer Peter Grosser. Wieder wecken seine konstanten Leistungen das Interesse eines großen Vereins. Eine Woche ist er im Probetraining bei Werder Bremen. Otto Rehhagel bietet ihm einen Platz in der zweiten Mannschaft und Training im Bundesligateam an. Niklaus verzichtet auf das Abenteuer und kehrt zur Spielvereinigung zurück.

Karsten Wettberg übernimmt zur Saison 1987/88 den Trainerposten bei der Spielvereinigung und mit ihm kommt der Erfolg zurück nach Unterhaching. Niklaus steht im zweiten Jahr in allen Spielen auf dem Platz und feiert mit der Mannschaft die Bayernligameisterschaft. In den Aufstiegsspielen zur 2. Bundesliga reicht es für den kleinen Verein aber noch nicht. Nur gegen Weinheim gibt es einen Sieg, zu wenig und so steigen der 1. FSV Mainz 05 und Viktoria Aschaffenburg auf.

Thomas Niklaus (rechts) im Zweikampf – Bildrechte: Thomas Niklaus

Aufstieg in die 2. Bundesliga 1989

6.000 Zuschauer im Stadion an der Grünauer Allee feiern ihre Mannschaft nach einem 2:0-Sieg gegen Edenkoben. Im dritten Anlauf gelingt der Spielvereinigung endlich der Aufstieg in die 2. Bundesliga. Niklaus steht wie im Vorjahr in allen Spielen auf dem Platz. Acht Treffer, darunter das 1:0-Siegtor im Aufstiegsspiel in Edenkoben, steuert er zum Aufstieg bei.

Leider geht es nach einem Jahr bereits zurück in die Drittklassigkeit. Nur sieben Siege fuhr man in der 2. Bundesliga ein. Darunter auch der 3:2-Sieg am ersten Spieltag beim SC Freiburg. Niklaus trifft zehn Minuten vor Ende zum wichtigen 3:1. Sieben Tore in 37 Spielen (1 x Gelbsperre) lautet seine Saisonbilanz.

Dass man in der Grünauer Allee Zweitligafußball spielen durfte, ist für Niklaus noch heute unvorstellbar. Er erzählt, dass erst vor kurzem bei einem regelmäßig stattfindenden Treffen mit ehemaligen Hachinger Kollegen darüber gesprochen wurde: „Die Leute standen hinter der Bande in Dreierreihen. Abenteuerlich.“

Kreuzbandriss im März 1990

Nach dem Abstieg in die Bayernliga lautet das Duell wieder 1860 München gegen Unterhaching. Die Spielvereinigung spielt eine starke Saison, muss sich aber den Löwen geschlagen geben. Ohne Niederlage wird der TSV 1860 Meister. Für Niklaus wird die Saison noch bitterer. Im März 1990 reißt er sich das Kreuzband, was für ihn das Saisonende bedeutet.

Die Bayernliga 1991/92 startet ohne Niklaus. Er befindet sich noch in der Reha. Erst im Oktober, nach sechs langen Monaten, feiert er in der 72. Minute sein Comeback gegen Schweinfurt. Trainer Adrion stellt ihn im folgenden Spiel gleich von Beginn an auf. Niklaus trifft doppelt und sichert den Punktgewinn. Der Rest der Saison werden Festspiele für den Linksfuß. Durch seine veränderte Position, er spielt jetzt rechts im Mittelfeld, kann er nach innen in Richtung Tor ziehen und abschließen. Nur 22 Einsätze braucht Niklaus um 19 Tore zu erzielen. Er wird Torschützenkönig der Bayernliga mit insgesamt vier Doppelpacks.

Irgendwann war es ein Selbstläufer und ich traf fast wie ich wollte

Unterhaching wird auch durch ihn erneut Bayernligameister. Reutlingen und Aschaffenburg heißen die Gegner in der Relegation zur 2. Bundesliga. Unterhaching siegt zwei Mal, bleibt ohne Niederlage und steigt zum zweiten Mal auf.

2. Bundesliga 1992/93

Die zweite Spielzeit der Spielvereinigung in der 2. Bundesliga, war die letzte für Niklaus im Trikot der Rot-Blauen. Sechs Niederlagen zu Beginn, in einer mit 24 Mannschaften hoffnungslos aufgeblähten Liga, drücken die Stimmung im Sportpark. Das Gesicht der Mannschaft verändert sich nachhaltig, für Niklaus nicht zum Positiven. Niklaus fühlt sich nicht mehr wohl und sucht das Gespräch mit den Verantwortlichen. Am Ende einigt man sich auf eine Vertragsauflösung. In seinem letzten Spiel erzielt Niklaus mit dem 1:0 seinen ersten Saisontreffer. Am Ende geht die Mannschaft trotzdem mit 1:4 in Wolfsburg unter. 18 Saisonspiele bestreitet Niklaus der insgesamt 55 Mal für Unterhaching in der 2. Bundesliga aufläuft.

 Das Haching-Gefühl ging verloren, ich hatte nicht den Eindruck, dass man mich halten wollte. Thomas Niklaus über seine Vertragsauflösung

Niklaus im Spiel gegen 1860 München – Bildrechte Thomas Niklaus

Ab 1993/94 SV Lohhof

Nach einem halben Jahr Pause, in der sich der gebürtige Franke voll auf sein Volontariat beim Münchner Merkur konzentriert, schnürt er noch einmal die Fußballstiefel. Er heuert zur Saison 1993/94 beim SV Lohhof an. Dort trifft er auf seinen Bruder Michael, der schon zuvor mit ihm in Unterhaching spielte. Die beiden Brüder werden zusammen mit anderen Ex-Hachingern wie Betzendörfer, Ruthe oder Probst eine eingeschworene Gemeinschaft. Niklaus wird wieder Mr. Zuverlässig und bestreitet alle Partien. Lohhof wird hinter Augsburg, aber vor Unterhaching, Vizemeister der Bayernliga und qualifiziert sich damit für die neu gegründete Regionalliga Süd. Niklaus steuerte 16 Tore zum sensationellen Erfolg bei.

Lorenz-Günther Köstner ist es der noch einmal den Kontakt nach Unterhaching herstellt. Vor der Saison 1994/95 fragt der Unterhachinger Trainer bei Niklaus an, ob er sich eine Rückkehr vorstellen kann. Niklaus, der schon ab 1994 freier Mitarbeiter beim SID wurde und über zehn Jahre Profifußball hinter sich hat, lehnt das Angebot ab und bleibt in Lohhof.

Niklaus wird Kapitän der Mannschaft und führt sie in der neu gegründeten Regionalliga Süd an. Erst am sechsten Spieltag gibt es den ersten Sieg. Niklaus trifft erstmals beim 4:0-Heimsieg gegen Rot-Weiss Frankfurt. Im März 1995 wird Wolfgang Dremmler durch Ludwig Trifellner ersetzt. Trifellner macht Niklaus als Sündenbock aus, setzt ihn schließlich auf die Bank. Nach dem 1:4 gegen Wehen auf eigenem Platz kommt es zum Eklat. Niklaus wird vom Spiel- und Trainingsbetrieb ausgeschlossen. Der Kicker schreibt später, nach einem 0:8 in Mannheim, wie naiv die Lohhofer Funktionäre in der Kausa Niklaus gehandelt haben und den besten Fußballer für „Störenfriede“ geopfert haben. Der Verein steigt am Ende der Saison ab.

Nach der aktiven Zeit

Nach seiner Ausbootung in Lohhof hat Niklaus genug vom aktiven Sport und wird ab 1996 schließlich Redakteur beim SID. Bis 2014, also 18 Jahre, begleitet er die deutsche Fußballnationalmannschaft bei ihren Länderspielen und Turnieren. Auch heute arbeitet er noch beim Sport-Informations-Dienst.

Herzlichen Dank an Thomas Nowag, ebenfalls beim SID, der den Kontakt zu Thomas Niklaus hergestellt hat.