Kommentar: Renovierung Sportpark

„Warum kommen eigentlich so wenige Zuschauer zu euren Heimspielen?“. Diese Frage musste ich schon häufig beantworten, in dieser Saison sogar noch häufiger als in vergangenen Jahren. Die Wahrheit ist aber, dass die SpVgg derzeit stolze 3375 Fans im Schnitt begrüßt. Mehr als 3000 Fans im Schnitt konnte man zuletzt in der Premierenspielzeit der 3. Liga 2008/09 verzeichnen, 3242 Zuschauer passierten damals die Tore des Sportparks. Woher kommt also diese Wahrnehmung, dass die SpVgg keine Zuschauer hat?

Die nicht freigegebene Osttribüne im Unterhachinger Sportpark

Ein Indiz für die falsche Wahrnehmung ist sicher die durch die Gemeinde nicht freigegebene Osttribüne. Da mag es vielleicht einen semantischen Unterschied machen, „dass die Tribüne nicht gesperrt, sondern von uns nicht freigegeben ist“, wie Rathaus-Sprecher Simon Hötzl betont. Leider filmen die Fernsehkameras von der gefüllten Westtribüne auf die leere Osttribüne. Ein Aufzeichnen von der Osttribünenseite ist aufgrund von Platzmangel und Sonneneinstrahlung schlicht nicht realisierbar. Nach Planungen der Gemeinde Unterhaching bleibt das Bild in den nächsten Jahren leider unverändert. 2020 möchte man sich mit einem Konzept der Sanierung des Sportparks auseinandersetzen, frühestens 2021 sollen dann die Bagger rollen.

Schon als es in den 80er Jahren um den Neubau des Stadions ging, wurde von der Gemeinde zu klein geplant. Der sportliche Aufstieg überholte die Planungen mehrfach und so wurde noch das Spielfeld gedreht, die Westtribüne überdacht, die Nord- und Osttribünen errichtet. Auch der Presseraum wurde erst nachträglich installiert. Als es beim Bundesligaaufstieg 1999 wieder um die Kapazität des Stadions ging, warnte der damalige Bürgemeister Knapek den Gemeinderat vor Härte gegenüber der Spielvereinigung: „Man habe damals mit aller Macht den Grashügel durchgedrückt“. Nach seiner Ansicht wäre der Sportpark auch nicht teurer geworden, wenn man ihn gleich für 16.000 oder 20.000 Zuschauer errichtet hätte. Da unter dem Grashügel immer wieder Steine zum Vorschein kamen, stand für Knapek klar fest: „Egal, ob erste oder zweite Bundesliga – bei der Osttribüne steht auf jeden Fall die Gemeinde in der Pflicht“. Das Stadion wurde schließlich ausgebaut, mit Hilfe der Gemeinde und des Freistaats. Die weiteren Ausbaupläne verstauben seit dem Bundesligaabstieg.

25 Jahre ist der 1992 eröffnete Sportpark mittlerweile alt und er ist den Anforderungen des modernen Profifußballs nicht mehr gewachsen. Der derzeitige Zustand des Stadions hat auch Auswirkungen auf die sportliche Entwicklung des Vereins. Die Anforderungen der DFL an Stadien der 2. Bundesliga sind klar definiert. Um es kurz zu machen, der Sportpark müsste bei einem möglichen Aufstieg umgehend renoviert werden. Ohne klaren Plan wie man die benötigte Kapazität von 15.000 Zuschauern wieder erreicht, dürfte ein Aufstieg kaum möglich sein. In dieser schwierigen Situation kommt die Spielvereinigung nun mit dem Vorschlag, das Stadion selbst zu übernehmen. In Erbpacht möchte der Verein den Sportpark künftig betreiben und damit auch die Kosten für den Unterhalt tragen. Genauer hier im Artikel des Münchner Merkur erklärt. In der schwierigen Situation nicht mit dem Finger auf die Gemeinde zu zeigen, sondern an einer für beide Seiten tragfähigen Lösung zu arbeiten, nötigt mir höchsten Respekt ab.

Jetzt gilt es, die Thematik für beide Seiten vernünftig zum Abschluss zu bringen. Den Kritikern im Gemeinderat sei noch gesagt: Kaum ein neues Stadion wird vom bespielenden Verein alleine gebaut. Aue, Regensburg, Chemnitz oder Zwickau, überall trat die öffentliche Hand als Bauherr auf. In München hat die Stadt sogar über 10 Millionen Euro für die Renovierung eines Stadion aufgebracht, in dem Viertligafußball gespielt wird.

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